So tickt der Ätna

So tickt der Ätna

Der Ätna ist der größte Vulkans Europas und liegt an der Ostküste der italienischen Insel Sizilien. Einheimische nennen ihren feuerspeienden Berg gern Mongibello. Ansonsten bevorzugt man in Italien und vielen anderen Ländern die Schreibweise „Etna“. Zahlreiche Mythen ranken sich um den gewaltigen Vulkan. Dass er nicht nur für die Menschen in seiner Nähe etwas Besonderes ist, zeigt die Aufnahme des Ätna in die Liste des UNESCO-Weltnaturerbes im Jahr 2013. Um das Faszinosum selbst zu erleben, machen viele Touristen in Catania, Nicoloso oder Taormina Station.

Der Ätna gibt und nimmt

Der Ätna zählt zu den aktivsten Vulkanen der Welt. Sowohl auf den Gipfelkratern als auch an den Flanken zeigen sich regelmäßig Eruptionsaktivitäten. Die meisten davon bleiben für die rund 900.000 Menschen in seiner Umgebung glücklicherweise folgenlos. Aber es gab auch immer wieder furchtbare Ausbrüche, die ganze Ortschaften in Lava und Asche versinken ließen. Einerseits sorgt der Vulkan für fruchtbare Böden und lässt die Landschaften blühen. Andererseits zerstört er, was die Menschen sich geschaffen haben und nimmt dabei auf Leben und Gesundheit keine Rücksicht.

Im Großen und Ganzen gilt der Ätna dennoch als halbwegs friedlicher Vulkan. Er produziert zwar sehr viel Magma, welches allerdings relativ gasarm ist und daher nur reichlich Lava strömen lässt. Extreme Explosionen und die richtig großen Katastrophen blieben bislang seltene Ereignisse. Doch der schöne Schein trügt: Nicht nur die zerstörerischen Großausbrüche beeinträchtigen das Leben der Menschen am Ätna. Auch die moderaten Flankenausbrüche können sich über Wochen und Monate hinziehen und dabei die Siedlungen bedrohen und den Verkehr in der Luft und am Boden erheblich stören. Dann müssen Flughäfen geschlossen werden und dicke Staubschichten behindern den Straßenverkehr. Asche und Lapilli schädigen die Gesundheit von Menschen, Tieren und Pflanzen und sorgen für Ausfälle an technischen Anlagen.

Der Ätna bleibt trotz aller technischen Fortschritte unberechenbar. Beherrschen kann man diese Naturgewalt ohnehin nicht. Wer am Ätna lebt, kennt die Gefahren. Vielen Menschen fühlen sich der Region dennoch sehr verbunden. Trotz aller Warnungen von Wissenschaftlern, die seit Jahren eine Verschärfung der Gefahrenlage prophezeien, bleiben sie in ihrer Heimat.

Der größte Berg Siziliens

Der Ätna hat gewaltige Ausmaße: Stolze 3.323 Meter Höhe über dem Meeresspiegel stehen zu Buche. Doch durch die ständigen Eruptionen ändert er sein Erscheinungsbild oft und ist mitunter nur 3.200, manchmal aber auch 3.350 Meter hoch gewesen. Jedenfalls überragt der Ätna mühelos alle anderen Berge Siziliens und erst in der Marmolata in den Dolomiten findet er mit 3.343 Metern Höhe ein ebenbürtiges Gegenüber. Die Fläche des Ätna-Gebirgsstockes bemisst sich auf 1.250 km² bei einem Umfang von etwa 250 Kilometer. Schon durch seine Größe beherrscht er die Region.

Ätna, ein Stratovulkan aus vielen Schichten

Der Ätna ist ein Stratovulkan, was äußerlich an der relativ steilen, spitzen Kegelform erkennbar ist. Der deutsche Begriff Schichtvulkan weist darauf hin, dass er im Laufe der Zeit aus Schichten von Lava und Lockermaterial entstanden ist.

Die „Geburt“ des Vulkans beginnt im Inneren unserer Erde. Der extrem heiße Erdkern besteht aus Metall und wird vom Erdmantel umschlossen. Auf dem Erdmantel schwimmen die tektonischen Kontinentalplatten der Erdkruste. Der glühend heiße Erdkern erhitzt den Erdmantel auf bis zu 3.500°C und bringt so selbst das Gestein zum Schmelzen, welches man in dieser zähflüssigen Form Magma nennt. Da es durch eingeschlossenes Gas nicht so dicht ist wie das umgebende Gestein, wandert das Magma nach oben und bildet in der kälteren Erdkruste große Magmakammern. Besonders da, wo die Erdplatten aneinanderstoßen, sich übereinander schieben oder wo sie auseinandergerissen sind, drängt das Magma erfolgreich nach oben, so dass an diesen Stellen besonders häufig Vulkane entstehen. Im Fall des Ätna schiebt sich die afrikanische unter die europäische Platte.

Beim Ausbruch eines Schichtvulkans dehnen sich die Gasblasen im Magma schnell und heftig aus. Dadurch wird das Magma fragmentiert, wodurch Gesteinsfragmente entstehen, die man als Pyroklasten bezeichnet. Das sind zum Beispiel Asche (< 2 mm), Lapilli (2 bis 64 mm), Vulkan-Bomben- und Blöcke (> 64 mm) mit unterschiedlichen Zusammensetzungen. Durch eine Explosion werden zunächst die Gesteinsbrocken und die Asche herausgeschleudert, wobei erhebliche Mengen an Gas freikommen. Danach strömt die Lava aus.

Schichtvulkane produzieren abhängig vom Silizium-Gehalt relativ zähes Magma, welches in dicken Lavaströmen an die Oberfläche kommt und erkaltet, bevor es vollständig abfließen kann. Das passiert häufig schon am Schlot des Vulkans, wodurch sich nach und nach Schichten auftürmen und der besagte Kegel bildet. Mitunter wird die Öffnung des Schlots durch erkaltetes Material verengt. Darunter sammeln sich aber weiter große Mengen an Magma, die sich irgendwann durch den hohen Gasanteil und den nun engeren Schlot explosionsartig entladen. Dabei können große Teile des Vulkans weggesprengt werden, mit verheerenden Folgen für die Umwelt. Ist der Schlot völlig verstopft, sucht sich das Magma einen neuen Weg, wodurch an den Flanken des Vulkans neue Krater entstehen. Das ist am Ätna relativ oft passiert.

Ätna-Touren und Tourismus rund um den Vulkan

Es ist die Begeisterung für das Ungewöhnliche und die Aussicht auf ein Abenteuer, welche den Tourismus rund um den Vulkan florieren lässt. Eine Tour auf den Ätna ist ein unvergessliches Erlebnis, das nicht jeder hat. Wer den Ätna besteigen will, der sollte sich aus Sicherheitsgründen an die örtlichen Regelungen halten und sich einem erfahrenen Bergführer oder einer geführten Ätna-Tour anschließen.